Besondere
Fähigkeiten in frühen Kinderjahren
Wissen Sie was mit einem Säugling passiert, der ins Wasser geworfen wird. Richtig, er hält automatisch die Luft an und schwimmt bzw. taucht. Niemand hat ihm das beigebracht - es ist ein angeborener Reflex. Das komische daran ist, dass dieser Reflex mit wenigen Monaten bereits wieder VERLERNT wird. Zumindest dann, wenn man nicht z.B. mit Baby-Schwimmen diesen Reflex weiter trainiert und in eine aktiv gelernte Fähigkeit überführt.
Eine leere Kiste füllen...
Wenn wir von Lernen sprechen, dann gehen wir fast immer davon aus, dass wir eine "leere Kiste" füllen und es völlig unerheblich ist, wann wir das tun. Am obigen Beispiel können wir aber durchaus sehen, dass Lernen bestimmte Fähigkeiten voraussetzt und das es besonders günstige Zeitpunkte gibt.
So ist es auch beim Lesen lernen..
Wir möchten aber noch ein weiteres Beispiel liefern bei dem sehr schnell deutlich wird was wir meinen. Es geht um das Erlernen von Sprachen. Wenn Erwachsene eine "Fremd"sprache lernen - so sagt schon der Name, dass es sich irgendwie fremd anfühlt. Selbst wenn wir eine Fremdsprache wirklich gut beherrschen, so ist es den meisten auch nach jahrelangem Training kaum vergönnt diese Sprache wie ein Muttersprachler zu sprechen. Das hängt zum einen mit der Fähigkeit von Kleinkindern zusammen, noch bevor sie überhaupt ein Wort sprechen können, ihren Kehlkopf so an die Laute der Eltern anpassen, dass die erforderlichen Laute dieser Muttersprache gesprochen werden können. Wie das genau geht steht bestimmt in irgend einer Studie. Uns wurde mal gesagt, dass beim Sprechen allein im Gesicht 86 Muskeln einbezogen werden - ob wir Menschen so viele Muskeln haben entzieht sich meiner Kenntnis - aber vielleicht kann das der eine oder andere Arzt mir ja mal genauer darlegen.
Hier dazu die wissenschaftliche Formulierung:
Prof. Dr. Rosemarie Tracy, Universität Mannheim
Mehrsprachigkeit in der Kindheit: Mythen, Hürden, Chancen
Der Spracherwerb gehört zu den eindrucksvollsten Leistungen der frühen Kindheit, denn in
der Regel meistern Kinder die Grundstrukturen ihrer Umgebungssprache bis zum Alter von
drei bis vier Jahren. Dies gilt auch für Kinder, die einen „doppelten“ Erstspracherwerb
durchlaufen, weil sie von frühester Kindheit an, z.B. bereits im Elternhaus, mit zwei Sprachen
konfrontiert werden. Mittlerweile wissen wir auch, dass Kinder im Alter von drei bis vier
Jahren sehr schnell eine Zweitsprache erwerben können.
Entgegen lange gehegten Vorurteilen wissen wir heute:
(1) Kinder, die von frühester Kindheit an mit zwei Sprachen konfrontiert werden, sind nicht
überfordert.
(2) Kinder können die Sprachen früh trennen. Noch vor 20 Jahren ging man davon aus, dass
Kinder zunächst über ein einziges, "fusioniertes" System verfügen, das sich erst im Lauf
der Zeit differenziert. Mittlerweile können wir nachweisen, dass Kinder bereits zum
Zeitpunkt ihrer ersten Wortkombinationen "wissen", dass sie es mit verschiedenen
Sprachen zu tun haben.
Fazit:
Auf was es uns ankommt ist zu verstehen, dass es ein zeitliches Fenster gibt, in dem uns als Menschen gewisse Fähigkeiten geschenkt werden - die uns außerhalb dieses zeitlichen Fensters nur noch schwer oder überhaupt nicht zur Verfügung stehen. Den Spruch: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr" kennt zwar jeder, aber welche besonderen Konsequenzen sich daraus ergeben, wird vielen nicht bewußt.
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Lesen mit 4 Jahren
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